Biographisches

Irene Nickel

Daten und Fakten:

1949:

geboren
in Göttingen;
damaliger Name: Irene Krämer

1968:

Abitur

1975:

Diplom in Mathematik,
danach Umzug nach Braunschweig
und Arbeit als Programmiererin

1978:

Heirat

1979, 1982:

Geburt meiner Kinder

2011, Juli

Ausscheiden aus Vereinsämtern
in IBKA und DGHS
aus gesundheitlichen Gründen

Gliederung:

Politische Biographie

Von der Religion zur Religionskritik

Mein Umgang mit Philosophie

Politische Biographie

1968 begann ich mein Studium, also genau in der richtigen Zeit, um von der 68er Bewegung vieles mitzubekommen und viel daraus zu lernen. Politisch aktiv wurde ich aber erst 1970. Zuerst schloss ich mich einer Gruppe von „amnesty international“ an, später einer Gruppe von Jusos (Jugendorganisation der SPD), schließlich der SPD. 1982 bin ich dort wieder ausgetreten, weil ich den Ausbau der Kernenergie, den die SPD unter Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht stoppen wollte, nicht mittragen wollte. Seitdem bin ich parteilos.

Meine politischen Präferenzen sind danach lange Zeit, grob gesprochen, in die Richtung „rot-grün“ gegangen. „Grün“ stand dabei für umsichtigen Umgang mit der Umwelt und für Menschenrechte, „rot“ stand für Solidarität mit den Schwachen und für die Erkenntnis, dass einige Rechte sich nur verwirklichen lassen, wenn die materielle Grundlage stimmt (Beispiel: Da gibt es das Recht, „sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“ (Artikel 5 GG) – aber um das gewünschte Buch zu kaufen oder die gewünschte Zeitschrift zu abonnieren, braucht man nicht nur das Recht, sondern auch das Geld).

Die politischen Zielvorstellungen, die ich mit „rot-grün“ verband, sind auch heute noch meine Zielvorstellungen. Aber ob ich meine Zielvorstellungen noch bei der SPD und bei den Grünen wiederfinde, daran zweifle ich mehr und mehr. Schon im Mai 2003, in der ersten Fassung dieser biographischen Seite, schrieb ich:

Leider ist das eher eine Beschreibung von „rot“ und „grün“, wie sie sein sollten, als eine Beschreibung der real existierenden Parteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

Damals hatte meine Sympathie für die Grünen einen Dämpfer bekommen. Ihre restriktive Haltung zur Stammzellenforschung empfinde ich als behindertenfeindlich: Denn auf die Therapien, die mit Hilfe dieser Forschung entwickelt werden könnten, warten schwerkranke und schwerbehinderte Menschen – und wenn diese Forschung behindert wird, leiden sie länger als nötig, und für einige kommen die Therapien zu spät. Ebenso stört mich das Festhalten der Grünen am Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID); das empfinde ich als frauenfeindlich.

Dies Thema beschäftigt mich, da ich selbst ein schwerbehindertes Kind habe und um die Belastungen weiß. Ich habe viel Verständnis für Frauen, die lieber einen Schwangerschaftsabbruch oder eine PID vornehmen lassen. Ich finde es unerträglich, wenn diese Frauen von bestimmten Kreisen als „behindertenfeindlich“ hingestellt werden.

Im August 2004, zur Zeit der rot-grünen Bundesregierung, schrieb ich:

Jetzt beobachte ich mit Entsetzen, wie die Bundesregierung bei ihrem Abbau sozialstaatlicher Strukturen eine Rücksichtslosigkeit gegenüber den Ärmsten der Armen praktiziert, die ich nie für möglich gehalten hätte. Vor allem der SPD hätte ich das nicht zugetraut, und so bin ich von ihr besonders enttäuscht. Aber die Grünen sind in dieser Hinsicht auch nicht besser. Und CDU/CSU und FDP schon gar nicht. Jetzt beobachte ich mit Interesse die Gründung einer neuen Linkspartei.

Jetzt, im April 2006, haben wir seit einigen Monaten eine Große Koalition. Die neue WASG und die bisherige PDS sind bei der letzten Bundestagswahl gemeinsam angetreten und haben 53 Sitze von 614 erreicht, das sind gut 8,6 Prozent. 

Und jetzt, im Oktober 2007, haben sich WASG und PDS längst zu einer Partei namens „Die Linke“ zusammengeschlossen.
Mein Interesse an der Neugründung hat sich als ein Strohfeuer erwiesen. Die Normalität hat mich wieder.
 

Verschiedene Themen haben im Laufe meines Lebens im Mittelpunkt meines politischen Interesses gestanden. Bei der Auswahl dieser Themen habe ich nie danach gefragt, ob es sich um „Frauenthemen“ handelte. Im Gegenteil, ich habe es als einen wichtigen Aspekt der Gleichberechtigung angesehen, dass ich es auch als Frau für legitim halten darf, mich mit den Themen zu beschäftigen, die mich interessieren, unabhängig davon, ob sie mit den besonderen Problemen von Frauen zu tun haben oder nicht.

Ich bezeichne mich nicht als „Feministin“. Ich trete ein für die Gleichberechtigung der Frauen und für gleiche Möglichkeiten, ein ihren Wünschen entsprechendes Leben zu führen. Aber ich möchte nicht mit jenen Feministinnen in Verbindung gebracht werden, die da meinen, am weiblichen Wesen solle die Welt genesen. Von dieser Art von weiblichem Sexismus halte ich nicht mehr als von der männlichen Variante.

Manchmal ergab es sich, dass mich ein Thema interessierte, von dem besonders Frauen betroffen sind, z. B. Schwangerschafts­abbruch und PID. Themen wie soziale Sicherheit oder Sterbehilfe betreffen sowohl Frauen als auch Männer.

Glücklicherweise gibt es auch eine schöne Seite der Emanzipation der Frau (im Gegensatz zur Seite der Probleme und der Anstrengungen zu ihrer Lösung). An dieser schönen Seite war ich beteiligt, indem ich zu den Pionierinnen des Judo für Frauen in Deutschland gehört habe. Ich habe an der Deutschen Damen-Einzelmeisterschaft 1971 teilgenommen – der zweiten Deutschen Damen-Einzelmeisterschaft überhaupt – und 1974 konnte ich sogar einen 3. Platz bei der Deutschen Damen-Einzelmeisterschaft in Hamburg belegen. All das habe ich natürlich nicht aus politischen Gründen getan, sondern weil es mir Spaß machte. Trotzdem: Zu tun, was ich gern tun wollte, ohne danach zu fragen, ob es üblich war oder was andere dazu sagen würden, das war gelebte Emanzipation, und es wurde zum Vorbild für andere.

Politisch interessiert bin ich weiterhin. Heute arbeite ich mit im „Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e. V.“ (IBKA) und war mehrere Jahre lang Delegierte in der „Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e.V.“ (DGHS). Zu einem breiteren Themenspektrum verfasse ich Texte, die zur Veröffentlichung bestimmt sind. Für Zeitungen und Zeitschriften oft als Leserbriefe; nur einige wenige Male ist es mir gelungen, einen regelrechten Artikel in einer größeren Zeitschrift unterzubringen. Außerdem betätige ich mich aktiv im Internet: Ich nehme an Diskussionen teil, ich schreibe Online-Kommentare zu Zeitungsartikeln und Rezensionen zu Büchern, ich verfasse Aufsätze eigens für diese Homepage, und ich arbeite bei Wikipedia mit.
 
 

Von der Religion zur Religionskritik

Dass ich einmal zu einer aktiven Religionskritikerin werden würde, wurde mir nicht an der Wiege gesungen. Mein Elternhaus war evangelisch-lutherisch, aber nicht besonders fromm. Am Heiligabend gingen wir in die Kirche, an gewöhnlichen Sonntagen nicht. Ein bisschen Religion im Rahmen des Üblichen, und damit war es genug.

Intensiver an die christliche Religion herangeführt wurde ich erst im evangelischen Religionsunterricht in der Schule, später im Konfirmandenunterricht; und damit geriet ich auch in Gottesdienste und sonstige kirchliche Veranstaltungen. All das beeinflusste mich stärker, als meine Eltern erwartet hätten. Mein Glaube bedeutete mir viel.

So war es ein wichtiger Tag in meinem Leben, als ich mit 18 Jahren zu dem Schluss kam, dass ich meine Zweifel ernst nehmen sollte. Ich begann zu fragen: „Woher stammt mein Glaube? Worauf gründet er sich?“

Zuerst suchte ich nach Begründungen für meine bisherigen Überzeugungen. Aber bald führte meine Suche mich in eine andere Richtung. Zuerst begann ich, mich von der christlichen Religion zu lösen: Ich fühlte mich abgestoßen von der Lehre, dass alle Ungläubigen von Verdammnis bedroht seien, und nicht minder von der Lehre, dass es Gottes Wille gewesen sein soll, dass erst sein eigener unschuldiger Sohn einen qualvollen Tod am Kreuz sterben musste, bevor dieser Gott sich bereit fand, den Menschen zu vergeben und sich mit ihnen zu versöhnen. Länger beschäftigte mich die Frage, ob ich nicht doch weiterhin an (einen) Gott glauben könnte, beispielsweise im Rahmen der jüdischen Religion. Aber auch das erwies sich schließlich als unmöglich: Wie konnte ich an einen allmächtigen und gütigen Gott glauben, wenn es so viel Elend, Schmerz und Leid gab in der Welt, wenn so viele Menschen dringend Hilfe brauchten und doch keine bekamen?
          (mehr zum Thema „Gott und das Leid“ hier,
          mehr zu meiner Ablösung vom christlichen Glauben hier)

Etwa zwei Jahre hat es gedauert, bis ich zu einem neuen Standpunkt gefunden habe. Seitdem glaube ich nicht mehr an Gott, weder an den Gott der Christen noch an irgendeinen anderen. Auf dem langen und schwierigen Weg bis dahin habe ich mir viel Sinn für die Probleme erworben, die mit der christlichen Religion zusammenhängen.

Erst Jahre später – ich hatte inzwischen mein Studium abgeschlossen, einige Jahre gearbeitet, geheiratet und zwei Kinder bekommen – wurde ich aktiv in der Religionskritik. Anlass war eine Kleinigkeit: In einer Zeitschrift las ich, wie eine Theologin sehr herablassend von Nichtchristen sprach. Ich ärgerte mich und dachte bei mir, ich sollte diesen Leuten einmal einen Spiegel vorhalten und ihnen zeigen, dass ihr Glaube so wunderbar nun auch wieder nicht sei.

Ergebnis war mein erster religionskritischer Artikel in der Elternzeitschrift „spielen und lernen“. Ich erhielt einen Packen von ca. 30 Leserbriefen, die ich fast alle beantwortet habe (bei einem fehlte die Adresse des Absenders). Dabei bemerkte ich, dass ich ein Thema gefunden hatte, zu dem ich viel zu sagen hatte.

Seither habe ich mich zu diesem Thema immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet. Ich schrieb zahlreiche Leserbriefe, und ich arbeitete mit im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. IBKA.
 

Mein Umgang mit Philosophie

darf „selektiv“ genannt werden. Manche Bereiche der Philosophie interessieren mich sehr, andere nur am Rande.

          (Ausführlicheres dazu unter
          Mein unsystematischer Streifzug durch die Philosophie
          hier folgt eine Kurzfassung)

Meine erste intensive Begegnung mit Philosophie fand in der Schule statt. In einer Arbeitsgemeinschaft für Philosophie besprachen wir Descartes’ Suche nach einem unerschütterlichen Fundament der Erkenntnis: wie konsequent er alles in Frage stellte, und wie er schließlich zu seinem berühmten Schluss gelangte: „Cogito, ergo sum.“

Während meines Mathematik-Studiums habe ich mit großem Gewinn die Vorlesung „Probleme des Wahrscheinlichkeitsbegriffs“ von Professor Dr. Erhard Scheibe gehört.

Einige Bereiche der Philosophie gerieten in mein Blickfeld, weil sie meinen sonstigen Interessen entsprechen. Viele wichtige Werke der Religionskritik stammen von Philosophen wie Bertrand Russell, John Leslie Mackie oder Hans Albert. Einige besonders interessante Aspekte der Politik – Schwangerschaftsabbruch, Umgang mit Embryonen, Sterbehilfe – haben mit Ethik zu tun.

Außerdem weckten erkenntnistheoretische Fragen meine Neugier: Wie kann man Ethik auf eine rationale Grundlage stellen? Wie muss eine Ethik aussehen, um hilfreich zu sein? Und: Was ist eigentlich „Wissen“? Wie kommt es zustande, wie kommen wir zu einem rationalen Urteil darüber, was wir für gewiss halten können?

Auf diese Fragen fand ich interessante Antworten in den Schriften von Karl Popper und Hans Albert. Ich sehe mich in der Tradition ihres Kritischen Rationalismus als Anhängerin der Auffassung, dass zwar nichts absolut gewiss ist, dass es aber dennoch möglich ist, Fragen unterschiedlichster Art – naturwissenschaftliche, ethische, politische und andere mehr – rational zu diskutieren und zu entscheiden.

Braunschweig, den 14. April 2006

Irene Nickel

(geändert am 31. Oktober 2007, am 31. August 2009,
am 30. Dezember 2011 und am 19. Februar 2013)

  

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